Potsdamer Hospiztage

15. Potsdamer Hospiztag - Ein Rückblick

Für die finanzielle Unterstützung des 15. Potsdamer Hospiztages bedanken wir uns herzlich bei

  • LAG Hospiz
  • Fresenius Kabi
  • Grieneisen

Unter dem Motto „Von Zeit zu Zeit“ haben am 21. Juni die Landesarbeitsgemeinschaft Onkologische Versorgung Brandenburg e.V. (LAGO) und der Hospiz- und Palliativberatungsdienst Potsdam zum 15. Potsdamer Hospiztag auf die Insel Hermannswerder eingeladen. Der gelungene Ablauf der Veranstaltung war auch dem Einsatz ehrenamtlicher Hospizdienstmitarbeiter*innen zu verdanken, die in der Anmeldung, mit Kuchenspenden etc. engagiert waren.

In diesem Jahr nutzten 120 Teilnehmer*innen die besondere Gelegenheit, fachliche Weiterbildung mit einem angeregten persönlichen Austausch über aktuelle und „zeitlose“ Themen der Hospiz- und Palliativversorgung im Land zu verbinden. Das vielseitige Workshopangebot richtete sich gleichermaßen an Fachleute aus dem Gesundheits- und Sozialwesen, an ehrenamtlich Engagierte der Hospizversorgung und an die interessierte Öffentlichkeit.

Die Begrüßung der Gäste des Hospiztages erfolgte durch Herrn Dr. Knut Gastmeier, Vorstand der LAGO und durch Herrn Frank Hohn, den Vorsitzenden der Hoffbauer Stiftung. Als Vertreter der Landeshauptstadt Potsdam sprach Herr Frank Thomann, der Fachbereichsleiter für Soziales und Gesundheit das Grußwort.

Eine berührende Einstimmung auf die – ja immer auch zur ganz persönlichen Auseinandersetzung herausfordernden – Lebens-Zeit-Themen des Hospiztages gaben die Schauspielerinnen Laurin Singer und Natasa Rikanovic in ihrer Theatercollage „Du bist dann mal weg. Dialoge vom Gehen und Bleiben.“

Mit wenigen markanten Requisiten, in sparsam angedeuteten Szenarien und im pulsierenden Rhythmus einander ablösender Impressionen schien es, als würden schlaglichtartig Ausschnitte der Zeit beleuchtet: Zeiten des Abschiednehmens und des Sterbens (auch hier: Momente der Lebensfreude!), Zeiten des Verlustes und des Trauerns – all dies: Lebenszeit. Die skizzierten „Lebens-Geschichten“ erscheinen dabei so persönlich wie allgemein menschlich, vor allem sind sie eine vielgestaltige Collage: sie kommen nachdenklich mahnend und klagend daher, laut polternd oder leise flüsternd, sie erscheinen alltäglich oder existentiell, banal oder geheimnisvoll, als Gesang oder im Dialekt, mit erleichterndem Galgenhumor oder in untröstlichem Ernst. Die Zeiten-Collage verlangt die Offenheit unserer Wahrnehmung, die Vielfalt zulässt und vermeintliche Widersprüche aushält: Wann endet Trauer, wenn der geliebte Verstorbene doch „immer noch“ tot ist? Warum sollte ein Sterbender nicht den Tod als Gast am Tisch begrüßen und zugleich Geschmack am Leben finden können?... Die Erzählung, die sich vielleicht erst aus der Rückschau ergibt, die uns von Zeit zu Zeit unbegreiflich bleiben muss oder Sinn-voll erscheint, erinnert an altes Wissen und taugt zur neuen Erkenntnis. Sie ist zum Lachen, zum Weinen und das fortgesetzte Nachdenken und Nachspüren wert. Das Publikum bedankte sich für diese bewegte, berührende Inszenierung mit langanhaltendem Applaus.

Bevor die Teilnehmer*innen zwischen sechs Workshops wählen konnten, gab es Zeit zum Innehalten – Zeit z.B. für einen kurzen Spaziergang auf der Insel und für Gespräche bei Kaffee und Kuchen.

Zwei Durchläufe der Workshops ermöglichtem im Anschluss jedem Besucher, sich mit mehreren Themen vertiefend auseinanderzusetzen, in kleiner Gruppe zu diskutieren und selbst aktiv zu werden:

  • „Meister des Moments – Begegnung und Kommunikation im hier und jetzt“. Frau Dr. Astrid Steinmetz moderierte den Austausch und Übungen zu ihrem Interaktionskonzept „Kommunikation ohne Worte“. Es galt, die Sinne für die Wahrnehmung und Interaktion „im Moment“ zu schulen.
  • „Würde in der Versorgung von Patienten am Lebensende“. Frau Sandra Stephanie Mai, Psychologin, u.a. auf der Palliativstation der Unimedizin Mainz tätig und Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Patientenwürde e.V. erarbeitete mit den Teilnehmer*innen Grundlagen zum Würde-Begriff im praktischen Bezug auf die Erfahrungen im Versorgungsalltag von Patienten. In Anlehnung an das Würdemodell von Harvey M. Chochinov stellte Frau Mai Interventionen der sogenannten Würdezentrierten Therapie vor. Fallbeispiele und gelesene Ausschnitte aus Erinnerungsbüchern, die auch Vermächtnisse und Trost für trauernde Angehörige sind, vermittelten einen lebendigen Eindruck der „heilsamen Erfahrung“ von „Würde am Lebensende“.
  • „Wenn erwachsene Kinder vor ihren Eltern sterben“. Die Psychologin/ Psychoonkologin und Trauma-Therapeutin Nora Pauli bot einen interaktiven Vortrag zu dem Thema dieser besonderen Trauer, die einer „Erlaubnis zu trauern“ und verständiger, würdiger Begleitung der Eltern und Zugehörigen bedarf.
  • „Advance Care Planning – Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“. Dirk Müller, Leiter des Bereichs Hospiz und Palliative Geriatrie im Unionhilfswerk Berlin, Vorsitzender der Fachgesellschaft Palliative Geriatrie (FGPG) informierte über dieses neue vom Gesetzgeber vorgesehene prozesshaft fortzuführende Beratungsangebot, die Charakteristika der Versorgungsplanung und die praktische Umsetzungsmöglichkeiten im Dialog zwischen Pflegeheim-Bewohnern, Zugehörigen, Ärzten und Heimmitarbeitern.
  • „Hospizspaziergang“. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter*innen aus dem ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst und dem stationären Hospiz berichteten bei einem gemeinsamen Spaziergang über die Insel aus ihrer Arbeit, von ihren persönlichen Erfahrungen in den ehrenamtlichen Begleitungen und beantworteten Fragen rund ihren Einsatz – der immer auch um neue Engagierte wirbt.

Mit einem Impuls zum Thema ‚Zeit‘ und einem atmosphärischen Dankeschön der Gastgeber*innen an die Teilnehmer*innen als gemeinsam gestaltetes Ritual endete der 15. Potsdamer Hospiztag.

Nina Heynen (Koordinatorin)

15. Potsdamer Hospiztag_Programmübersicht