Hintergrundinformationen zu PIKSIn Deutschland erkranken jährlich ca. 6.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Davon sind gemäß der brandenburgischen klinischen Krebsregister derzeit ca. 160 Fälle p. a. in Brandenburg dokumentiert. Die Erkrankungshäufigkeit variiert stark mit dem Alter. Ein erster Gipfel ist zwischen 35 und 55 Jahren und ein zweiter Anstieg ab etwa 60 Jahren zu beobachten. Etwa ein Viertel der Betroffenen stirbt an dieser Erkrankung.
Zervixkarzinome werden in zirka 90 % der Fälle durch humane Papillomaviren (HPV) verursacht. Die Prävalenz von HPV- Infektionen ist unter jungen Frauen am höchsten und fällt mit dem Alter. 74 % der Infektionen werden bei Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren gesehen. Vor diesem Hintergrund hat die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut auf ihrer 56. Sitzung am 27. und 28. Februar 2007 eine Empfehlung zur generellen Impfung gegen humane HPV für Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren verabschiedet.
Die Impfung mit drei Dosen sollte vor Beginn der sexuellen Aktivität abgeschlossen sein. Die genaue Dauer der Immunität nach Impfung ist derzeit noch nicht bekannt; es liegen Ergebnisse für ca. fünf Jahre vor. Die Frage nach der Notwendigkeit einer Wiederimpfung kann auf Basis des aktuellen Forschungsstands noch nicht beantwortet werden. Die Risiko-Nutzen-Abwägung der STIKO führte dennoch zu einer generellen Impfempfehlung. Ziel der Impfung ist eine Reduktion der Krankheitslast durch Gebärmutterhalskrebs.
Das Gesundheitsbewusstsein von Kindern und Jugendlichen ist hinsichtlich des Themas Krebs häufig unterentwickelt und angstbesetzt. Die Gefahr einer eigenen Erkrankung an einem bösartigen Tumor wird von Menschen in jungen Lebensjahren häufig entweder gar nicht wahrgenommen oder verdrängt. Dies behindert den Zugang zu krebspräventiven Maßnahmen.
Die Schule ist für Kinder bei der Entwicklung von Gesundheitsbewusstsein ein wichtiger Partner. Sie kann eine bedeutende Funktion als „Türöffnerin" bei tabubesetzten Themen wie Krebs erfüllen. Die Impfung gegen das Zervixkarzinom beinhaltet gleich zwei problembesetzte Themen: Krebserkrankungen und Sexualität. Sexualerziehung wird zumeist im Fach Biologie oder im Land Brandenburg auch im Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (LER) unterrichtet.
Wie eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Jugendsexualität zeigt, spielt der Schulunterricht bei der Sexualaufklärung von Mädchen eine wichtige Rolle. Nach der Mutter und der besten Freundin stehen Lehrkräfte für Mädchen bereits an dritter Stelle bei der Aufklärung zu sexuellen Fragen. So nennt ein knappes Drittel der Mädchen (31 %) die Schule als eine der wichtigsten Quellen der Sexualaufklärung. Zudem fungiert die Schule häufig als Schnittstelle zwischen Jugendlichen und externen Beratungsstellen. 90 % aller befragten Mädchen berichten, in der Schule Sexualunterricht erhalten zu haben.
Eine Möglichkeit, die Erkrankungsgefahr bzw. –häufigkeit durch das Zervixkarzinom zu mindern, besteht in einer adäquaten Aufklärung von Schülerinnen über ihre mit einer Impfung verbundenen Möglichkeiten eines Schutzes vor dieser Erkrankung. Mädchen mit diesem Kenntnisstand können frühzeitig einen Arzt bzw. eine Ärztin aufsuchen und ihn bzw. sie auf eine Impfung ansprechen. Zudem können die Mädchen als Multiplikatorinnen mithelfen, Gleichaltrige zu informieren.
Insgesamt gibt es in Brandenburg etwa 468 Grundschulen, 165 Oberschulen, 35 Gesamtschulen, 106 Gymnasien und 109 Förderschulen. Die Initiative beteiligt alle diese Schulen. Ein Schwerpunkt liegt angesichts der Zielgruppe auf den Grund- und Oberschulen.
Generell gilt der Impfstoff als sehr gut verträglich. Eine Stellungnahme zu den Bedenken gegenüber der HPV-Impfung bietet das Paul-Ehrlich-Institut . Umfassende Informationen und Antworten auf weitere Fragen finden sich auf der Homepage des Krebsinformationsdienstes .