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Umfrage zur psychosozialen Krebsbetreuung zeigt Defizite in Koordination, Kommunikation und psychosozialer Kompetenz

Die Ende 1996 konstatierten Defizite bei den psychosozialen Versorgungsstrukturen für Tumorkranke im Land Brandenburg bedeuten bis zum heutigen Tage eine Herausforderung an die Akteure. Wir hoffen, u.a. mit unseren LAGO-Tagungen und Fortbildungen , zu einer optimierten Netzwerkarbeit beizutragen. In sieben Bereichen gilt es zu handeln (Stand 1996):

• Ungenügende Kooperation der Einrichtungen untereinander sowie mangelnde Koordination der Versorgung im stationär-ambulanten Verzahnungsbereich

Die Zusammenarbeit der an der Versorgung von Tumorkranken beteiligten Einrichtungen erfolgt derzeit (1996) in der Regel unkoordiniert. Die vorhandenen Kooperationsstrukturen sind nicht geeignet, um das Ziel, gemeinschaftliche und ganzheitliche Betreuungsstrukturen zu etablieren, erreichen zu können.

• Mängel der psychosozialen Kompetenz bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzten

Die Fort- und Weiterbildung im psychoonkologischen Bereich obliegt dem eigenen Engagement der Ärztinnen und Ärzte. Das diesbezügliche Weiterbildungsangebot erscheint an Zahl noch nicht ausreichend. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und das ärztliche Personal in Krankenhäusern sind zumeist nicht ausreichend über Betreuungs- und Beratungsangebote informiert und in psychoonkologischen Fragen häufig nicht angemessen ausgebildet. Der Sinn und Zweck von psychosozialen Betreuungsangeboten für Krebskranke werden häufig in Frage gestellt.
Mit unserem Basisseminar Psychoonkologische Versorgung im Land Brandenburg haben wir reagiert und verzeichnen einen extrem hohe Nachfrage nach unserem Angebot.

• Mängel in der Qualifikation bei den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Krebsberatungsstellen

Fort- und Weiterbildung wird von der Mehrzahl der in der Krebsberatung Tätigen als unerlässlich bewertet. Es nehmen nur 20% regelmäßig an Fortbildungen teil, 75% sehen aber die Notwendigkeit der Fortbildung. Die Teilnahme an Angeboten obliegt dem eigenen Engagement der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die Möglichkeit zur Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen ist aus verschiedenen Gründen häufig begrenzt. Folge ist, dass eine patientengerechte Beratung nicht immer im erforderlichen Umgang gewährt werden kann.
Mit unseren LAGO-Tagungen und Fortbildungen haben wir reagiert und die Resonanz auf unsere Veranstaltungen gibt uns Recht.

• Lücken in der psychoonkologischen Betreuung im ambulanten Bereich

Im ambulanten Bereich sind deutliche Versorgungsengpässe in der psychosozialen Versorgung von Tumorkranken erkennbar. Fast zwei Drittel aller Einrichtungen kann nicht alle an sie herangetragenen Beratungsthemen abdecken. Die - nicht flächendeckend vorhandenen - Krebsberatungsstellen bei den Gesundheitsämtern können durch eingeschränkte Personalbesetzung und -qualifizierung ihrer Aufgabe nur teilweise nachkommen. Das Angebot an Selbsthilfegruppen ist noch ausbaubedürftig.
Mit unserem Projekt Psychoonkologischer Konsiliar-Liaisondienst und der Evaluation dieses Projekts in Gestalt einer Dissertation haben wir reagiert. Heute ist dieses Projekt in zwei Stellen für Psychoonkologinnen gemündet.

• Lücken in der psychoonkologischen Betreuung im stationären Bereich

Das Angebot einer psychoonkologischen Betreuung ist nur in wenigen Krankenhäusern gegeben. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie ein Erfahrungs- bzw. Informationsaustausch aller an der Versorgung von Tumorkranken im Krankenhaus beteiligten Berufsgruppen ist nicht die Regel. Der Informationsfluss ist verbesserungsbedürftig.

• Finanzielle Restriktionen

Psychosoziale Beratungsleistungen bei Tumorkranken können von den Ärzten und Ärztinnen bei den Krankenkassen derzeit nicht abgerechnet werden. Eingeschränkte Personal- und Sachmittel führen bei verschiedenen Einrichtungen zu einem zeitlich und qualitativ unzureichendem Beratungsangebot: 40% der Einrichtungen teilen mit, dass nicht genügend Zeit für die Beratung von Krebskranken zur Verfügung steht.

• Nachfrageverhalten

Immer noch werden Beratungsangebote vorwiegend von Frauen genutzt. Das bedeutet, dass solche Strukturen stärker zu fördern sind, in denen sich Beratungsstellen zum einen ausdrücklich auch an die Bezugspersonen der betroffenen Frauen wenden und zum zweiten ihr Beratungsangebot auch aktiv kommunizieren, also nicht nur auf die Nachfrage der Betroffenen reagieren.

Diese Umfrage auf Initiative der LAGO bedeutete übrigens zugleich die „Geburtsstunde“ der LAGO AG Psychoonkologie . Aus diesem Grund haben wir die Umfrage auch unter die Bilanz dieses Facharbeitskreises subsumiert.