Das Projekt „Psychoonkologischer Konsiliar-Liaisondienst" in den Krankenhäusern in Potsdam und Frankfurt (Oder) hat ein äußerst erfreuliches Ergebnis gezeitigt: Das Klinikum Frankfurt/Oder beschäftigt die im Projekt beteiligte Psychoonkologin seit dem 1. Januar 2005 in einer unbefristeten Vollzeitstelle weiter. Im Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam ist seit Juni 2006 eine Teilzeitkraft für die psychoonkologische Betreuung eingestellt.
Im Rahmen der Modellphase vom 1. Januar 2001 bis zum 31. Oktober 2004 wurden die Krebspatienten in diesen beiden Akutkrankenhäusern psychologisch betreut. Dieses Modellprojekt geht auf die Initiative des Facharbeitskreises Psychoonkologie der LAGO Brandenburg zurück. Der Facharbeitskreis hatte das Projekt bei der Deutschen Krebshilfe zur Finanzierung eingereicht und die Bewilligung erhalten.
Zum Hintergrund der Initiative: Eine Krebserkrankung stellt für den betroffenen Menschen einen folgenschweren Einschnitt in sein Leben dar. Zwar haben die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten zu einer erheblichen Verbesserung der Überlebenschancen von Krebsbetroffenen geführt. Dennoch ist die Diagnose „Krebs" immer noch vorwiegend von der Vorstellung völliger Lebensunsicherheit, Hilflosigkeit, großem Leiden, Siechtum und Tod beherrscht.
Mit einer Tumorerkrankung sind für die Betroffenen vielschichtige Probleme verbunden - familiärer und sozialer Natur, vor allem aber der eigene Umgang mit der Diagnose Krebs. Deshalb wird es heute als notwendig und selbstverständlich gesehen, auch die seelische Seite einer Krebserkrankung mit zu betrachten. Hierfür sind ausgebildete Psychologen oder Psychologinnen zuständig. Deren Betreuung beginnt bereits am Krankenbett in der Klinik.
Mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe konnten vom 1. Januar 2001 bis 31. Oktober 2004 in den Kliniken in Frankfurt (Oder) und Potsdam Psychologinnen für die Betreuung von Krebskranken beschäftigt werden. Bis zu Beginn des Projekts fehlte ein solches Betreuungsangebot in diesen Krankenhäusern völlig.
„Wir danken der Deutschen Krebshilfe sehr", so Hartmut Reiners, Vorstandsvorsitzender der Projektträgerin (LAGO Brandenburg e.V.) und Projektleiter, „dass sie uns vier Jahre geholfen hat, eine psychologische Betreuung in diesen Kliniken einzurichten und zu erproben. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die Arbeit der Psychologinnen sowohl für betroffene Patientinnen und Patienten als auch für das Personal in den Kliniken großen Nutzen hat und die Qualität der Versorgung insgesamt äußerst positiv beeinflusst."
Circa ein Drittel der Patientinnen und Patienten hat in den untersuchten Kliniken psychologischen Betreuungsbedarf. Davon sind etwa zwei Drittel Frauen. Zum überwiegenden Teil weisen die behandelnden Ärztinnen oder Ärzte die Psychologin auf Patienten hin, denen nach ihrer Meinung ein psychologisches Gespräch helfen könnte. Manchmal nimmt auch die Psychologin von sich aus Kontakt auf und bietet einem Patienten Hilfe an. Auch Schwestern und Pfleger haben ein offenes Auge und Ohr für die Probleme der Patienten und vermitteln an die Psychologin weiter. Die Psychoonkologinnen werden insbesondere gerufen, wenn Patienten Probleme haben, ihre Krankheit zu bewältigen bzw. verzweifelt sind, wie sie mit der Diagnose Krebs und den Folgen umgehen sollen. Manchmal helfen sie auch bei Notfällen. Sie sind außerdem da, um den Gesprächsbedarf der Betroffenen abzudecken, die ihre Sorgen und Nöte häufig weder den medizinischen Betreuern noch ihrer Familie anvertrauen wollen, um diese nicht zu belasten.
Die Betreuung von Tumorkranken im Krankenhaus ist zeitaufwändig. Nur bei knapp einem Drittel der Patienten kommt es zu einem einmaligen Gespräch. Bei mehr als zwei Dritteln besteht mindestens zweimaliger Kontakt, bei manchen kommt die Psychologin bis zu 16 Mal. Die Dauer für einen Kontakt orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen. Durchschnittlich dauert ein Erstgespräch bis zu 70 Minuten. Folgegespräche können durchaus nur wenige Minuten in Anspruch nehmen. Sie können sich aber auch bis auf eine Stunde ausdehnen.
Die Betreuung der Patienten steht natürlich im Zentrum der Tätigkeit der Psychologinnen. Wie oben bereits erwähnt, profitiert aber auch das Personal von den Psychologinnen: Zum einen fühlen sich insbesondere Ärztinnen und Ärzte sowie Schwestern und Pfleger von psychosozialen Betreuungsaufgaben entlastet: Sie können damit einen Teil des Leistungsdrucks abgeben und die bessere psychische Verfassung der Patienten erleichtert den täglichen Umgang mit diesen. Zum anderen führen die Psychologinnen für das Personal Fortbildungen durch. Hier besteht ein besonders großer Bedarf an Themen zum Bereich Umgang mit Sterben und Tod.
Die Psychologinnen sind auf ihren Schwerpunktstationen gut in das Team integriert. Sie nehmen an Stationsbesprechungen teil oder haben andere Möglichkeiten der regelmäßigen Absprachen mit dem Personal gefunden. Die seelische Seite einer Krebserkrankung wird inzwischen bei einem großen Teil des medizinischen Personals genauso selbstverständlich betrachtet wie die körperlichen Folgen. Die Psychologinnen leisten also einen wichtigen Beitrag, um das Verständnis des Personals für die umfassenden Folgen einer Krebserkrankung zu vertiefen.
Die Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts, die persönlichen Erfahrungen des Personals mit der Psychoonkologie und natürlich das Engagement der beteiligten Psychoonkologinnen haben die Verantwortlichen der beteiligten Krankenhäuser überzeugt, die psychoonkologische Betreuung in die Regelfinanzierung zu übernehmen bzw. sie weiterhin zu ermöglichen. Im Klinikum Frankfurt (Oder) ist daher seit dem 1. Januar 2005 die im Projekt beteiligte Psychoonkologin im Rahmen einer unbefristeten Vollzeitstelle tätig. In Potsdam werden Patienten im Rahmen einer Teilzeitstelle psychoonkologisch betreut. Hartmut Reiners abschließend: „Wir sind auf unsere Projekterfolge sehr stolz und freuen uns, dass die Lücke der psychologischen Betreuung in den beiden Krankenhäusern zum Wohl der Betroffenen langfristig geschlossen werden konnte."
Hinweis: Dieses Modellprojekt des Facharbeitskreises Psychoonkologie hat zu einer Evaluationsstudie zum Stand der psychoonkologischen Versorgung an Akutkrankenhäusern im Land Brandenburg geführt. Die LAGO-Geschäftsführerin Dr. P.H. Gudrun Thielking-Wagner hat zu dieser Studie promoviert.