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7. Potsdamer Hospiztag

im Rahmen der 2. Brandenburgischen Hospizwoche

Dem Sterben Leben geben

Titel nach dem gleichnamigen Buch von Monika Müller

Der jährlich in Potsdam stattfindende Hospiztag wird immer schon von vielen haupt- und ehrenamtlich Tätigen und natürlich auch von sonst interessierten Menschen am Thema freudig erwartet.

Wir beginnen meist bereits im Herbst des Vorjahres, uns im Vorbereitungsteam zu treffen. Wir, das sind die Mitarbeiterinnen der LAGO und die beiden Koordinatorinnen des Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Potsdam. Inzwischen haben wir schon eine gewisse „Routine“ im Planen und Aufgaben-Verteilen.

Das Buch von Monika Müller Dem Sterben Leben geben gehört zum festen Bestandteil der kleinen Bibliothek im Hospizbüro. Und als Titel für unsere geplante Veranstaltung erschien es uns sehr passend.

Es gelang uns auch Monika Müller für das Hauptreferat zu gewinnen.  Monika Müller hat als Leiterin von ALPHA- Rheinland, der Ansprechstelle im Land Nordrhein-Westfalen zur Pflege Sterbender, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung in Bonn einen Namen in der „Hospizlandschaft“ und war bisher noch nicht in Potsdam zu hören.

Als dann zwei Tage vor dem Hospiztag die Nachricht kam, dass Monika Müller krank sei, und nicht kommen könne, waren wir als Veranstalter schon sehr traurig.

So werden wir wohl einen erneuten Versuch starten müssen, Frau Müller nach Potsdam zu holen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes (DHPV) Benno Bolze hörte unseren Hilferuf und erklärte sich bereit, das Hauptreferat unter dem Titel: Hospiz – Begegnung im Leben zu halten. Herzlichen Dank für so viel Spontaneität!!!

So begann der Hospiztag am 19.Juni 2009 um 13.00 Uhr mit den Grußworten der Vertreter der Veranstalter, für die LAGO Dr. Karin Koch und für den Hospizdienst Potsdam Frank Hohn. Frank Hohn nutzte die Gelegenheit, um über das geplante stationäre Hospiz zu informieren. Die Hoffbauer-Stiftung und das Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin werden gemeinsam ein stationäres Hospiz in Potsdam eröffnen. Dazu wird ein Neubau auf der Insel Hermannswerder errichtet, in dem acht Gäste und ihre Angehörigen Platz finden werden. Ab sofort werden überall in der Stadt Potsdam Flyer verteilt, die über das geplante stationäre Hospiz informieren und einen Spendenaufruf enthalten, da noch eine Lücke von 400 000 Euro zu schließen ist. Diese Flyer, die man am Motiv der Sonnenblumen erkennen kann, wurden beim Hospiztag erstmalig verteilt. Für die LAG Hospiz Brandenburg e.V. sprach Christian Schirmer und wies besonders auf die zweite Brandenburgische Hospizwoche hin. Weiterhin sprachen Abteilungsleiter Thomas Barta für das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie im Land Brandenburg und Frau Elona Müller, Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit, Ordnung und Umweltschutz der Stadt Potsdam sehr anerkennende und Mut machende Grußworte.

Danach nahm uns Benno Bolze in seinen Ausführungen mit in verschiedene Situationen im Hospizbereich, in denen Begegnung stattfindet. Er ging in seinem Vortrag auf die äußeren Rahmenbedingungen ein, die wir brauchen, um sterbenden und trauernden Menschen Annahme und Geborgenheit zu vermitteln und verlässliche Partner für sie sein zu können. Wenn wir sterbenden Menschen begegnen und sie begleiten, dann kommt es auch auf unsere innere Haltung an, auf die Liebe, Offenheit und Ehrlichkeit mit der wir ihnen begegnen.

Unter den 250 Teilnehmern herrschte in den Pausen eine fröhliche lockere Atmosphäre.

Viele Teilnehmer kommen jedes Jahr wieder und nutzen den Tag zur Begegnung und zum Austausch. Am Büchertisch und an den Ständen im Foyer konnten sich die Teilnehmer informieren und miteinander ins Gespräch kommen.

In den angebotenen Workshops ging es dann um die Themen:  Patientenverfügungen, Psychologische Schmerztherapie, Trauerbegleitung bei Kindern, stationäre Palliativmedizin, Kraftquellen, Poesietherapie und Musiktherapie.

Ein Workshop, den wir auch dieses Jahr wieder im Programm hatten, wird immer von ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter/innen unseres Dienstes angeboten. Unter dem Motto - Begleiten heißt mitgehen - erzählten die Ehrenamtlichen von ihren Erfahrungen und Begegnungen mit Menschen am Ende ihres Lebens. Gleichzeitig informierten sie über die Trauerangebote des Hospizdienstes in Potsdam und über den Vorbereitungskurs „Sterbende begleiten lernen“, der jedes Jahr angeboten wird.

Gegen 19.00 Uhr endete der 7. Potsdamer Hospiztag mit einem gemeinsamen Abschlusssingen im Foyer.

Bericht von Heike Borchardt, Leiterin des Hospiz- und Palliativberatungsdienst Potsdam, www.hospizdienst-potsdam.de

Wie wurde der 7. Potsdamer Hospiztag aus Sicht unserer Gäste bewertet?

Mehr als 250 Gäste besuchten unseren Hospiztag, 222 waren offiziell angemeldet und 141 Menschen nutzten die Möglichkeit, uns mit einem ausgefüllten Fragebogen Feedback zu unserer Veranstaltung zu geben. Die Fragebögen wurden - wie immer - natürlich anonym ausgewertet.

Unsere Gäste waren - wie auch bei den ersten sechs Potsdamer Hospiztagen - wieder vorwiegend Frauen: Von den Befragten waren 86 Prozent weiblich. Über die Hälfte der Teilnehmenden kam aus beruflichen Gründen zum Hospiztag. Die meisten hatten eine persönliche Einladung erhalten oder von der Veranstaltung über den Dienstweg erfahren. Die übrigen Gäste hatten u. a. im Gespräch vom Hospiztag gehört oder sich im Internet informiert.

Zu Beginn der Veranstaltung gab es eine vergleichsweise ausführlichere Begrüßungs- und Grußwortrunde, die von Frau Dr. Ziefer nach Aussagen der Teilnehmer "angenehm, locker und entspannt" moderiert wurde.  Die Einführungsrunde fiel dieses Mal länger aus, weil der Potsdamer Hospiztag gleichzeitig die Auftaktveranstaltung für die Brandenburger Hospizwoche bildete, was entsprechend angesprochen und gewürdigt wurde.

Die Ausführungen von Benno Bolze, der sich kurzfristig für einen Vortrag zur Verfügung stellte (s. o.), trafen auf große Zustimmung. Fast alle der Befragten, die eine Bewertung seines Vortrags vornahmen, beurteilten diesen mit sehr gut und gut. Besonders gefielen seine Rhetorik und die praxisorientierten Beispiele, die er nannte.

  

Workshop A zum Thema „Patientenverfügungen” wurde überwiegend mit der Schulnote eins und als sehr interessant bewertet. Die Anwesenden schätzten an dem Beitrag der Psychoonkologin Carola Leppin besonders ihre lebensnahe, offene und lebendige Vortragsweise. Sie arbeitete die wichtigen Aspekte des Themas klar heraus, sprach dabei auch Ängste an und ermöglichte eine rege Diskussion.

Das Thema „Begleiten heißt Mitgehen - Ehrenamtliche Hospizmitarbeiter/innen erzählen von ihren Erfahrungen in der Sterbe- und Trauerbegleitung“ wurde im Workshop B angeboten. Auch dieser Workshop wurde überwiegend mit „sehr gut“ und "gut" bewertet. Die Mitarbeiterinnen des HPP beeindruckten mit Ehrlichkeit, Lebendigkeit und Authentizität. Die Beispiele waren interessant, sehr praktisch und vermittelten gute Einblicke in Theorie, Praxis und Ausbildung. Manche Teilnehmer wünschten sich hierzu mehr Zeit, z. B. in Form eines ganztägigen Seminars. Andere hätten gern noch mehr Beispiele gehört.

 

Der Workshop C beschäftigte sich mit dem Thema „Psychologische Schmerztherapie“. Auch für Jürgen Golombek gab es mehrheitlich Bestnoten.  Die Gestaltung des Workshops wurde als anschaulich und interessant gelobt. Der Referent ging gut auf Fragen ein und vermittelte viele Fachinformationen. Auch die eingesetzte DVD fand Zustimmung, wenn auch die Technik nicht ganz zuverlässig arbeitete.  Als Wünsche wurden geäußert, noch mehr zu einzelnen Theorieformen zu erfahren, mehr Zeit für das Thema zu haben und weitere praktische Beispiele kennen zu lernen.

Trauerberaterin Edda Nolte gestaltete den Workshop D zum Thema „Abschied, Tod und Trauer in der Lebenswelt des Kindes - wie können wir trauernde Kinder hilfreich begleiten?“. Dieses Workshopangebot wurde als „super“, „hervorragend“, "klasse" und „ließ keine Wünsche offen“ fast ausschließlich mit „sehr gut“ bewertet. Auch hier gab es Anmerkungen, die darauf schließen lassen, dass mehr Zeit für den Workshop positiv aufgefasst worden wären.

In Workshop E berichtete das Palliativteam des Ernst von Bergmann Klinikum über seine Erfahrungen mit "stationärer Palliativmedizin".  Erneut gab es Bestnoten. Den Teilnehmenden gefiel besonders die gemeinschaftliche Form der Präsentation des Arbeitsgebietes, es fiel die gute Teamstruktur auf. Die Gesprächsrunde war durch Beispiele aufgelockert, sehr aufschlussreich, gut aufgebaut und sehr nah am Geschehen. Die Teilnehmenden fühlten sich gut eingebunden und nahmen die Erfahrung einer interessanten Gesprächrunde mit. Bei einigen Teilnehmern gab es auf Grund der medizinischen Fachbegriffe Verständnisprobleme. Andere hätten sich noch mehr Informationen zur Organisation gewünscht.

„Innere Ressourcen - Vom Umgang mit Kraftquellen“ war das Arbeitsthema von Lisa Freund im Workshop F. Auch dieser Workshop wurde von der überwiegenden Mehrheit mit "sehr gut" und "gut" bewertet.  Auf besondere Zustimmung fiel die angeleitete Meditation der Referentin. Hierzu hätten sich einige jedoch eine kleinere Gruppe und einen anderen Raum gewünscht.

Als „ganz neu und anregend“ empfanden einige Teilnehmende den Workshop G zum Thema „Poesietherapie - Heilsames Schreiben. Wie können wir mit Worten trösten, heilen, versöhnen und ermutigen?“. Die Referentin Adelheid Liepelt gab nach den Aussagen der Teilnehmenden Impulse, regte zum Schreiben an und sie gab einen Überblick, was diese Therapie bewirken kann.  Ferner wurde die Referentin als sehr angenehm und die Inhalte als hilfreich empfunden. 

Das zweite kreative Angebot wurde von der Hamburger Musiktherapeutin Friederike von Hodenberg präsentiert. Auch für sie gab es gute und sehr gute Einschätzungen. Die Teilnehmenden freuten sich darüber, praktisch einbezogen zu werden. Sie lobten das Anfangs- und Abschlussritual und beurteilten den Workshop mit "ausgezeichnet", "sehr gut mit drei Sternen", "sehr aufschlussreich" und ihnen gefiel die positive Ausstrahlung der Referentin. Als Wunsch wurde geäußert, über die Arbeit mit der Stimme hinaus noch weitere Anregungen zu erfahren.

Zusammenfassend bewerteten 71 der 141 Befragten den 7. Potsdamer Hospiztag mit „sehr gut“ und 61 mit „gut“, 9 Personen äußerten sich hierzu nicht. Als Veranstaltungsort stellte sich der Malteser Treffpunkt Freizeit - mit vernachlässigbaren kleinen Mängeln - insgesamt wieder als geeignet für den Hospiztag heraus. Auch Betreuung und Organisation gefielen und wurden ebenfalls überwiegend mit der Note eins und zwei beurteilt. Besonders gelobt wurden dabei u. a. die gute Balance zwischen Vorträgen und Workshops, die Kompetenz der Referenten, die Infostände, Blumendekoration, der Büchertisch, die Atmosphäre und die Gespräche untereinander sowie die Verpflegung mit von den Organisatoren und Ehrenamtlichen selbstgebackenem Kuchen.  Bedauert wurde, dass die Zeit für die interessanten Themen begrenzt war, was von einigen als zu kurz empfunden wurde. Außerdem wurde der Wunsch nach mehr Informationsständen geäußert. Diesem werden wir bei der Planung unseres 8. Potsdamer Hospiztages im Jahr 2010 versuchen zu entsprechen. 

Wir freuen uns, dass wir insgesamt mit unserem Programm, dem Ort, der gastronomischen Betreuung und einer guten Organisation wieder überzeugen konnten. Die in den Fragebögen benannten Themenwünsche und -vorschläge für die nächsten Hospiztage werden wir auswerten und wie üblich bei unseren künftigen Planungen berücksichtigen. 

Wir danken allen, die sich Zeit zum Ausfüllen der Fragebögen genommen haben und uns sowie allen künftigen Gästen damit helfen, unser Hospiztag-Angebot noch praxisorientierter zu gestalten.