Titel nach dem gleichnamigen Buch von Monika Müller
Der jährlich in Potsdam stattfindende
Hospiztag wird immer schon von vielen haupt- und ehrenamtlich
Tätigen und natürlich auch von sonst interessierten Menschen am
Thema freudig erwartet.
Wir beginnen meist bereits im Herbst des
Vorjahres, uns im Vorbereitungsteam zu treffen. Wir, das sind
die Mitarbeiterinnen der LAGO und die beiden Koordinatorinnen
des Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Potsdam. Inzwischen
haben wir schon eine gewisse „Routine“ im Planen und Aufgaben-Verteilen.
Das Buch von Monika Müller
Dem Sterben Leben geben gehört zum festen Bestandteil der
kleinen Bibliothek im Hospizbüro. Und als Titel für unsere
geplante Veranstaltung erschien es uns sehr passend.
Es gelang uns auch Monika Müller für das
Hauptreferat zu gewinnen.
Monika Müller hat als Leiterin von ALPHA- Rheinland, der
Ansprechstelle im Land Nordrhein-Westfalen zur Pflege
Sterbender, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung in Bonn einen
Namen in der „Hospizlandschaft“ und war bisher noch nicht in
Potsdam zu hören.
Als dann zwei Tage vor dem Hospiztag die
Nachricht kam, dass Monika Müller krank sei, und nicht kommen
könne, waren wir als Veranstalter schon sehr traurig.
So werden wir wohl einen erneuten Versuch
starten müssen, Frau Müller nach Potsdam zu holen.
Der Geschäftsführer des Deutschen Hospiz-
und Palliativverbandes (DHPV) Benno Bolze hörte unseren Hilferuf
und erklärte sich bereit, das Hauptreferat unter dem Titel:
Hospiz – Begegnung im Leben zu halten. Herzlichen Dank für so viel Spontaneität!!!
So begann der Hospiztag am 19.Juni 2009 um
13.00 Uhr mit den Grußworten der Vertreter der Veranstalter, für
die LAGO Dr. Karin Koch und für den Hospizdienst Potsdam Frank
Hohn. Frank Hohn nutzte die Gelegenheit, um über das geplante
stationäre Hospiz zu informieren. Die Hoffbauer-Stiftung und das
Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin werden
gemeinsam ein stationäres Hospiz in Potsdam eröffnen. Dazu wird
ein Neubau auf der Insel Hermannswerder errichtet, in dem acht
Gäste und ihre Angehörigen Platz finden werden. Ab sofort werden
überall in der Stadt Potsdam Flyer verteilt, die über das
geplante stationäre Hospiz informieren und einen Spendenaufruf
enthalten, da noch eine Lücke von 400 000 Euro zu schließen ist.
Diese Flyer, die man am Motiv der Sonnenblumen erkennen kann,
wurden beim Hospiztag erstmalig verteilt. Für die LAG Hospiz
Brandenburg e.V. sprach Christian Schirmer und wies besonders
auf die zweite Brandenburgische Hospizwoche hin. Weiterhin
sprachen Abteilungsleiter Thomas Barta für das Ministerium für
Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie im Land Brandenburg und
Frau Elona Müller, Beigeordnete für Soziales, Jugend,
Gesundheit, Ordnung und Umweltschutz der Stadt Potsdam sehr
anerkennende und Mut machende Grußworte.
Danach nahm uns Benno Bolze in seinen
Ausführungen mit in verschiedene Situationen im Hospizbereich,
in denen Begegnung
stattfindet. Er ging in seinem Vortrag auf die äußeren
Rahmenbedingungen ein, die wir brauchen, um sterbenden und
trauernden Menschen Annahme und Geborgenheit zu vermitteln und
verlässliche Partner für sie sein zu können. Wenn wir sterbenden
Menschen begegnen und
sie begleiten, dann kommt es auch auf unsere innere Haltung an,
auf die Liebe, Offenheit und Ehrlichkeit mit der wir ihnen
begegnen.
Unter den 250 Teilnehmern herrschte in den
Pausen eine fröhliche lockere Atmosphäre.
Viele Teilnehmer kommen jedes Jahr wieder und
nutzen den Tag zur Begegnung und zum Austausch. Am Büchertisch und an den Ständen im
Foyer konnten sich die Teilnehmer informieren und miteinander
ins Gespräch kommen.
In den angebotenen Workshops ging es dann um
die Themen:
Patientenverfügungen, Psychologische Schmerztherapie,
Trauerbegleitung bei Kindern, stationäre Palliativmedizin,
Kraftquellen, Poesietherapie und Musiktherapie.
Ein Workshop, den wir auch dieses Jahr wieder im Programm
hatten, wird immer von ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter/innen
unseres Dienstes angeboten. Unter dem Motto
-
Begleiten
heißt mitgehen -
erzählten die Ehrenamtlichen von ihren Erfahrungen und
Begegnungen mit Menschen am Ende ihres Lebens. Gleichzeitig
informierten sie über die Trauerangebote des Hospizdienstes in
Potsdam und über den Vorbereitungskurs
„Sterbende begleiten
lernen“, der jedes Jahr angeboten wird.
Bericht von
Heike Borchardt
Mehr
als 250 Gäste besuchten unseren Hospiztag, 222 waren offiziell
angemeldet und 141 Menschen nutzten die Möglichkeit, uns mit
einem ausgefüllten Fragebogen Feedback zu unserer Veranstaltung
zu geben. Die Fragebögen wurden - wie immer - natürlich anonym
ausgewertet.
Unsere Gäste waren - wie auch bei den ersten sechs Potsdamer Hospiztagen - wieder vorwiegend Frauen: Von den Befragten waren 86 Prozent weiblich. Über die Hälfte der Teilnehmenden kam aus beruflichen Gründen zum Hospiztag. Die meisten hatten eine persönliche Einladung erhalten oder von der Veranstaltung über den Dienstweg erfahren. Die übrigen Gäste hatten u. a. im Gespräch vom Hospiztag gehört oder sich im Internet informiert.
Zu Beginn der Veranstaltung gab es
eine vergleichsweise ausführlichere Begrüßungs- und
Grußwortrunde, die von Frau Dr. Ziefer nach Aussagen der
Teilnehmer "angenehm, locker und entspannt" moderiert wurde.
Die Einführungsrunde fiel dieses Mal länger aus, weil der
Potsdamer Hospiztag gleichzeitig die Auftaktveranstaltung für
die Brandenburger Hospizwoche bildete, was entsprechend
angesprochen und gewürdigt wurde.
Die Ausführungen von Benno Bolze, der sich
kurzfristig für einen Vortrag zur Verfügung stellte (s. o.),
trafen auf große Zustimmung. Fast alle der Befragten, die eine
Bewertung seines Vortrags vornahmen, beurteilten diesen mit sehr
gut und gut. Besonders gefielen seine Rhetorik und die
praxisorientierten Beispiele, die er nannte.
Workshop A zum Thema „Patientenverfügungen” wurde überwiegend mit der Schulnote eins und als sehr interessant bewertet. Die Anwesenden schätzten an dem Beitrag der Psychoonkologin Carola Leppin besonders ihre lebensnahe, offene und lebendige Vortragsweise. Sie arbeitete die wichtigen Aspekte des Themas klar heraus, sprach dabei auch Ängste an und ermöglichte eine rege Diskussion.
Das Thema „Begleiten heißt Mitgehen - Ehrenamtliche Hospizmitarbeiter/innen erzählen von ihren Erfahrungen in der Sterbe- und Trauerbegleitung“ wurde im Workshop B angeboten. Auch dieser Workshop wurde überwiegend mit „sehr gut“ und "gut" bewertet. Die Mitarbeiterinnen des HPP beeindruckten mit Ehrlichkeit, Lebendigkeit und Authentizität. Die Beispiele waren interessant, sehr praktisch und vermittelten gute Einblicke in Theorie, Praxis und Ausbildung. Manche Teilnehmer wünschten sich hierzu mehr Zeit, z. B. in Form eines ganztägigen Seminars. Andere hätten gern noch mehr Beispiele gehört.
Der Workshop C beschäftigte sich mit dem Thema „Psychologische Schmerztherapie“. Auch für Jürgen Golombek gab es mehrheitlich Bestnoten. Die Gestaltung des Workshops wurde als anschaulich und interessant gelobt. Der Referent ging gut auf Fragen ein und vermittelte viele Fachinformationen. Auch die eingesetzte DVD fand Zustimmung, wenn auch die Technik nicht ganz zuverlässig arbeitete. Als Wünsche wurden geäußert, noch mehr zu einzelnen Theorieformen zu erfahren, mehr Zeit für das Thema zu haben und weitere praktische Beispiele kennen zu lernen.
Trauerberaterin Edda Nolte gestaltete den Workshop D zum Thema „Abschied, Tod und Trauer in der Lebenswelt des Kindes - wie können wir trauernde Kinder hilfreich begleiten?“. Dieses Workshopangebot wurde als „super“, „hervorragend“, "klasse" und „ließ keine Wünsche offen“ fast ausschließlich mit „sehr gut“ bewertet. Auch hier gab es Anmerkungen, die darauf schließen lassen, dass mehr Zeit für den Workshop positiv aufgefasst worden wären.
In Workshop E berichtete das Palliativteam des Ernst von Bergmann Klinikum über seine Erfahrungen mit "stationärer Palliativmedizin". Erneut gab es Bestnoten. Den Teilnehmenden gefiel besonders die gemeinschaftliche Form der Präsentation des Arbeitsgebietes, es fiel die gute Teamstruktur auf. Die Gesprächsrunde war durch Beispiele aufgelockert, sehr aufschlussreich, gut aufgebaut und sehr nah am Geschehen. Die Teilnehmenden fühlten sich gut eingebunden und nahmen die Erfahrung einer interessanten Gesprächrunde mit. Bei einigen Teilnehmern gab es auf Grund der medizinischen Fachbegriffe Verständnisprobleme. Andere hätten sich noch mehr Informationen zur Organisation gewünscht.
„Innere Ressourcen - Vom Umgang mit Kraftquellen“ war das Arbeitsthema von Lisa Freund im Workshop F. Auch dieser Workshop wurde von der überwiegenden Mehrheit mit "sehr gut" und "gut" bewertet. Auf besondere Zustimmung fiel die angeleitete Meditation der Referentin. Hierzu hätten sich einige jedoch eine kleinere Gruppe und einen anderen Raum gewünscht.
Als „ganz neu und anregend“ empfanden einige Teilnehmende den Workshop G zum Thema „Poesietherapie - Heilsames Schreiben. Wie können wir mit Worten trösten, heilen, versöhnen und ermutigen?“. Die Referentin Adelheid Liepelt gab nach den Aussagen der Teilnehmenden Impulse, regte zum Schreiben an und sie gab einen Überblick, was diese Therapie bewirken kann. Ferner wurde die Referentin als sehr angenehm und die Inhalte als hilfreich empfunden.
Das zweite kreative Angebot wurde von der Hamburger Musiktherapeutin Friederike von Hodenberg präsentiert. Auch für sie gab es gute und sehr gute Einschätzungen. Die Teilnehmenden freuten sich darüber, praktisch einbezogen zu werden. Sie lobten das Anfangs- und Abschlussritual und beurteilten den Workshop mit "ausgezeichnet", "sehr gut mit drei Sternen", "sehr aufschlussreich" und ihnen gefiel die positive Ausstrahlung der Referentin. Als Wunsch wurde geäußert, über die Arbeit mit der Stimme hinaus noch weitere Anregungen zu erfahren.
Zusammenfassend bewerteten 71 der 141 Befragten den 7. Potsdamer Hospiztag mit „sehr gut“ und
61 mit „gut“, 9 Personen äußerten sich hierzu nicht. Als
Veranstaltungsort stellte sich der Malteser Treffpunkt Freizeit
- mit vernachlässigbaren kleinen Mängeln - insgesamt wieder als
geeignet für den Hospiztag heraus. Auch Betreuung und
Organisation gefielen und wurden ebenfalls überwiegend mit der
Note eins und zwei beurteilt. Besonders gelobt wurden dabei u.
a. die gute Balance zwischen Vorträgen und Workshops, die
Kompetenz der Referenten, die Infostände, Blumendekoration, der
Büchertisch, die Atmosphäre und die Gespräche untereinander
sowie die Verpflegung mit von den Organisatoren und
Ehrenamtlichen selbstgebackenem Kuchen. Bedauert wurde,
dass die Zeit für die interessanten Themen begrenzt war, was von
einigen als zu kurz empfunden wurde. Außerdem wurde der Wunsch
nach mehr Informationsständen geäußert. Diesem werden wir bei
der Planung unseres 8. Potsdamer Hospiztages im Jahr 2010
versuchen zu entsprechen.
Wir freuen uns, dass wir insgesamt mit unserem Programm, dem Ort, der gastronomischen Betreuung und einer guten Organisation wieder überzeugen konnten. Die in den Fragebögen benannten Themenwünsche und -vorschläge für die nächsten Hospiztage werden wir auswerten und wie üblich bei unseren künftigen Planungen berücksichtigen.
Wir danken allen, die sich Zeit zum Ausfüllen der Fragebögen genommen haben und uns sowie allen künftigen Gästen damit helfen, unser Hospiztag-Angebot noch praxisorientierter zu gestalten.