Im Rahmen der ersten landesweiten brandenburgischen Hospizwoche luden die LAGO und der Hospiz- und Palliativberatungsdienst Potsdam (HPP) am 27. Juni 2008 zum 6. Potsdamer Hospiztag ein. Knapp 200 Menschen kamen in den Malteser Treffpunkt Freizeit am Neuen Garten in Potsdam. Unter dem Motto „Wenn nichts mehr zu machen ist, ist noch viel zu tun“ erwartete die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ein interessanter Nachmittag mit kulturellem Angebot und vielen Workshops.
Die letzte Phase im Leben eines Menschen macht uns zugleich die Endlichkeit unseres Daseins bewusst. Damit umzugehen erfordert Einsicht bei den Sterbenden sowie Einfühlsamkeit bei den begleitenden Menschen im privaten Kreis und bei den Helfenden aus der Fachwelt. Ferner erfordert sie Kraft zum Abschiednehmen bei allen Beteiligten. Mit unseren Potsdamer Hospiztagen wollen wir alle diese Menschen zusammenbringen, das gemeinsame Gespräch über konkrete, praktische Probleme fördern und den Informationsstand für Betroffene und Fachwelt verbessern.
Christine
Ksoll, ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin aus Potsdam, berichtet
zu ihren Erfahrungen beim Potsdamer Hospiztag 2008:
Ich
nahm als Neueinsteigerin zum ersten Mal teil und war
entsprechend neugierig und aufgeregt. Ein Riesenangebot
von selbstgebackenem Kuchen auf dem Bufett für die Pause
begrüßte mich. Die Menge sollte ja auch für die „Speisung“ von
etwa 200 bis 250 Menschen reichen.

Im
Eingangsbereich konnte man sich an kleinen Tischen Informationen
über verschiedene Initiativen die im Hospizbereich arbeiten
holen und sich auch beraten lassen. Besonders anziehend und
informativ war für mich der Büchertisch mit einem sehr großen
umfassenden Angebot an entsprechender Literatur. Das Interesse
daran und der Andrang war groß. Hier hätte ich gerne lange
geschmökert.

In
dem Begrüßungsteil und den Grußworten für die TeilnehmerInnen
wurde der Bedarf eines stationären Hospizes u.a. vor allem auch
von der Sozialbeigeordneten Frau Elona Müller angesprochen und
befürwortet und dafür eine umfassende Unterschriftenaktion
gestartet, die bis zum Herbst 2008 läuft.
Foto
links: Elona Müller und Frank Hohn
Danach gab es eine musikalische
Einstimmung auf den Tag. Thomas Rabenschlag, Musiker und
Kabarettist trug am Klavier Nachdenkliches, Humoristisches,
Trauriges und Heiteres vor nach den Texten von Robert Gernhardt,
der 2006 an Krebs verstorben ist. Die Eröffnung wurde mit
Souveränität und Leichtigkeit moderiert von Frau Dr. Ramona
Lenzen- Großimlinghaus.
Anschließend kamen die
Workshops. Es gab acht verschiedene Workshops. Alle fanden
zweimal hintereinander statt. Jede/r Teilnehmer/in hatte sich
zwei davon bei der Anmeldung ausgewählt.
Ich hatte
mich für die Workshops A und H entschieden. Workshop A;
„Schmerzen zu Hause“ und Workshop H; „Meditativer Tanz und
Trauertänze“. Workshop A hatte ich ausgewählt, weil Angehörige
von Schwerkranken oder Sterbenden in Krisensituationen mit
starken Schmerzen oft nicht wissen, wie sie reagieren und helfen
können. Am Workshop H interessierten mich vor allem die
Trauertänze, die z.B. in Griechenland und Serbien getanzt
werden, aber in Deutschland völlig unbekannt sind. Tänze können
meiner Erfahrung nach helfen, eine seelische Erstarrung zu
lösen. Den Abschluss bildete im Foyer ein großer Kreistanz der
TeilnehmerInnen.
Für mich
war es eine gelungene Veranstaltung. Es wurden in den acht
Workshops sehr unterschiedliche Themen behandelt und soweit ich
dies durch Erfahrungsaustausch mit anderen TeilnehmerInnen
erfahren habe, zur Zufriedenheit der meisten.
Insgesamt
74 der 187 angemeldeten Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, den
Hospiztag an Hand des ausgeteilten und anonym ausgewerteten
Fragebogens zu beurteilen. Demnach kamen - wie auch bei den
ersten fünf Potsdamer Hospiztagen - wieder vorwiegend Frauen:
Von 74 Befragten waren achtzig Prozent weiblich. Über die Hälfte
der Gäste nahm aus beruflichen Gründen am Hospiztag teil. Die
meisten erhielten die Einladung über den Dienstweg, aber auch
etwa zwanzig Prozent gaben an, sich aus privatem Interesse
angemeldet zu haben.

An den musikalischen Beitrag „Ach! Ich soll hier nichts mehr sagen?“ des Künstlers Thomas Rabenschlag, der mit seinen empathischen Interpretationen der Gedichte von Robert Gernhardt begeisterte und von den Gästen mit Worten wie „erfrischend“, „direkt“, „einfühlsam“, „witzig“ und „klasse“ beschrieben wurde, schlossen sich in zwei Durchläufen acht Workshops an.
Foto: Thomas Rabenschlag

Workshop A zum Thema „Schmerzen zu Hause” wurde überwiegend mit der Schulnote eins und als sehr interessant bewertet. Die Anwesenden schätzten den referierenden Palliativmediziner Bernd Kämpfer vom Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam als kompetent und professionell ein. Einigen Personen war die Workshopzeit zu kurz.
Das
Thema „Behandlung von Demenzpatienten im Finalstadium“ wurde im
Workshop B angeboten. Von den insgesamt 39 Teilnehmerinnen und
Teilnehmern wurde der Workshop überwiegend mit „sehr gut“
bewertet. Er wurde als informativ und sehr praxisorientiert
eingeschätzt. Besonders erwähnt wurde die gute Kommunikation der
Referentin Dr. Romana Lenzen-Großimlinghaus (Foto links) mit den
Anwesenden, ihre Professionalität und der Medieneinsatz während
des Vortrages.
Der Workshop C beschäftigte sich mit dem Thema „Gewaltfreie Kommunikation im Hospizbereich“. Die Gestaltung des Workshops wurde als sehr „anschaulich“, „lebendig“ und „anregend“ gelobt. Der ärztliche Referent Claus Endres gestaltete den Workshop sehr praktisch und bezog die Teilnehmenden gut mit ein. Auch hier wurde vereinzelt der Wunsch nach mehr Zeit geäußert.

Palliativpflegekraft Heike Lietz (Foto links) gestaltete den Workshop D zum Thema „Palliative Care in der Hauskrankenpflege oder das Überwinden traditioneller Versorgungsmuster“. Dieses Angebot wurde als sehr „anschaulich“, „greifbar“ und „mit reichlich Praxisbeispielen“ überwiegend mit „sehr gut“ bewertet. Erneut gab es Anmerkungen, die darauf schließen lassen, dass mehr Zeit für die Gespräche positiv aufgefasst worden wären.

In Workshop E berichteten Ehrenamtliche des Potsdamer Hospizdienstes aus ihrer Praxis zum Thema „Ehrenamtliche Begleitung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen“. Von den Befragten wurde der Praxisbericht als sehr gut bewertet.
„Männern Trauern anders“ war das Arbeitsthema von Pfarrer Gottfried Wiarda im Workshop F. Der Workshop wurde heterogen bewertet. Einige Teilnehmende vergaben die Schulnoten eins und zwei und beurteilten den Workshop mit „sehr gut“ und „gut“ sowie als sehr informativ, gut gegliedert und sehr ansprechend. Besonders gefiel diesen die Möglichkeit zur Diskussion und viel Raum zum Gedankenaustausch. Bei anderen Workshopgästen entsprach der Workshop nicht ganz deren Erwartungen. Diese hätten sich den Workshop weniger allgemein und praxisrelevanter vorgestellt.
Als
„sehr bewegend“ wurde der Workshop G zum Thema „Wenn die alten
Eltern sterben“ empfunden. Insgesamt wurde die
Diplom-Psychologin Gerda Wendisch-Kraus als Person sowie die
Inhalte und Präsentation des Workshops mit „sehr gut“ bewertet.
Foto links: Gerda Wendisch-Kraus
Foto
unten: Erika Gaumer-Becker
Die Potsdamer
Sprachheil- und
Tanzpädagogin Dr. Erika Gaumer-Becker bot im achten
Workshop H „Meditativen Tanz“ an. Von den Befragten wurde die
wunderschöne Resonanz hervorgehoben und der Workshop als „sehr
gut“ eingeschätzt. Aufgrund mehrfacher Anfrage von Teilnehmenden
bzgl. eines Abschlussrituals zum diesjährigen Hospiztag tanzte
Erika Gaumer-Becker mit den noch Anwesenden einen
Abschluss-Kreistanz. Mehrfach wurde geäußert, dass dieses
„Abschlussritual“ dem Hospiztage einen schönen Ausklang gegeben
hätte.
Zusammenfassend
bewerteten die 74 Befragten den 6. Potsdamer Hospiztag
mehrheitlich mit „sehr gut“ und „gut“. Auch Betreuung und
Organisation gefielen und wurden ebenfalls überwiegend mit „sehr
gut“ beurteilt. Besonders gelobt wurden dabei die gut
strukturierten Abläufe, das Miteinander, die musikalische
Einlage, die Info- und Bücherstände und die Verpflegung.
Bedauert wurde, dass der Hospiztag im Vorfeld in den Medien zu
wenig präsent war. Diesen Hinweis werden wir für unsere
Öffentlichkeitsarbeit beim 7. Potsdamer Hospiztag im Jahr 2009
beachten.
Wir
freuen uns, dass wir insgesamt mit unserem Programm, dem Ort,
der gastronomischen Betreuung und einer guten Organisation
wieder überzeugen konnten. Die in den Fragebögen benannten
Themenwünsche und
-vorschläge für die nächsten Hospiztage werden wir auswerten und
wie üblich bei unseren künftigen Planungen berücksichtigen.