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5. Potsdamer Hospiztag:

Trau dich zu trauern - Trauern gehört zum Leben.

22. Juni 2007, 14 bis 19 Uhr, im Tagungshaus Blauart auf Hermannswerder

Über 400 Teilnehmer besuchten unseren wieder gemeinsam mit dem Hospiz- und Palliativberatungsdienst Potsdam (HPP) organisierten fünften Potsdamer Hospiztag. Ein eigener Rekord bei den bisherigen Veranstaltungen!

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Unser Vorsitzender Hartmut Reiners und Frank Hohn, Vorsitzender des Trägers des Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Potsdam eröffneten den 5. Hospiztag in der Kirche auf Hermannswerder. Besonders erwähnenswert ist das Grußwort von Elona Müller, Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit, Ordnung und Umweltschutz Potsdam, das mehrfach durch Beifall unterbrochen wurde. Sie versprach, sich weiterhin für ein stationäres Hospiz in Potsdam einzusetzen. Als kleinen Erfolg nannte sie die ab 2009 vom Klinikum „Ernst von Bergmann" geplanten zehn Palliativbetten. Weiterhin bedankte sie sich bei allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und bei den Organisatoren des Nachmittages.

Zur Einstimmung spielte Sophia Altklug, alias Dr. Kristin Kunze „Die Spieldose - Wenn die Clownin Trauer trägt". Sie schilderte daran sehr eindrucksvoll „den Eintritt ins Trauerland" nach dem Tod ihrer Mutter. Die verschiedenen Phasen und „Trauertypen" regten zum Nachdenken und manchmal auch zum Schmunzeln an.

In der Pause hatten alle Anwesenden die Möglichkeitsich am Kuchenbuffet zu stärken. Danach begannen die einzelnen Workshops. Die Palette der Angebote war sehr vielfältig. Sie reichte von „Tut Sterben eigentlich weh?" bis „Traut mir auch was zu - Geschwister von krebskranken Kindern".

Eine ehrenamtliche Hospizmitarbeiterin berichtet wie folgt von zwei Workshops, die sie persönlich besucht hat:

„Der erste Workshop (Workshop E) behandelte das Thema „Trost will nicht die Trauer nehmen - Berichte aus der Trauerarbeit des Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Potsdam". Zweiehrenamtliche Mitarbeiterinnen berichteten über ihre Arbeit und tauschten mit den TeilnehmerInnen Erfahrungen aus. Unter den Gästen waren auch BesucherInnen aus dem Land Brandenburg. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde berichteten die beiden Workshopleiterinnen über ihre Ausbildung und es entwickelte sich eine angeregte Diskussion. Da viele der Anwesenden auch in ihrer Stadt ein Trauercafe planen, erkundigten sie sich nach den Erfahrungen, die in Potsdam gemacht wurden und nach der Resonanz. Am Ende wurde ganz deutlich, wie wichtig es ist, dass wir den Menschen die trauern unsere Hilfe anbieten.

Der zweite Workshop (Workshop G) , befasste sich mit dem Thema „Ohnmacht und Machbarkeit in der Trauerarbeit" .

Er wurde von Petra Sigel geleitet, die hauptberuflich als Trauerbegleiterin arbeitet. Sie stellte einige Thesen wie z.B. „Nur eine gesunde Trauer ist eine gute Trauer. Nichts ist mehr so wie es einmal war." in den Raum und bat die Anwesenden sich in „Murmelgruppen"zu diesen auszutauschen. Nach etwa 20 Minuten stellten die einzelnen Gruppen ihre Ergebnisse vor. Die oben genannte These wurde unterschiedlich interpretiert. Was ist „gesunde" Trauer? Wer bestimmt, wie lange getrauert wird? Männer trauern anders als Frauen? Obwohl der Workshop mit 40 Teilnehmern sehr gut besucht war, verstand es Frau Sigel hervorragend Regie zu führen."

Wie hat die Veranstaltung unseren Gästen gefallen?

Aus 181 ausgefüllten Fragebögen wissen wir zusammenfassend das Folgende:

Nicht nur die Angaben auf den Fragebögen bewiesen dies, schon der alleinige Blick auf die Teilnehmer vor Ort zeigte, dass die überwiegende Zahl unserer Gäste - 90 % -  weiblich war. Etwa 66 % kamen aus privaten Motiven, die übrigen aus beruflichen Gründen und einige wenige mit anderem Hintergrund. Die meisten Gäste  hatten vom Hospiztag allerdings auf dem Dienstweg erfahren. Viele fühlten sich durch die persönliche Einladung aufgefordert zu kommen, manche wurden durch andere über die Veranstaltung informiert. Die Verteilung der Einladung über die Straßenbahnen in Potsdam hat letztlich nur sehr wenige Gäste nach Hermannswerder geführt.

Das Programm des Hospiztages begann in der Kirche auf Hermannswerder. Frau Dr. Annemarie Ziefer moderierte die Einführung. Sie hatte sehr kurzfristig die Moderation übernommen, wofür wir ihr an dieser Stelle noch einmal herzlich danken. Trotz Problemen mit der Technik - das Mikrofon funktionierte anfänglich nicht, so dass sie nicht von allen verstanden werden konnte - gelang Frau Ziefer eine einfühlsame Moderation, die die Teilnehmenden als kompetent und auch humorvoll wahrnahmen.

Nach der Begrüßung und dem Grußwort von Frau Müller folgte Frau Dr. Kristin Kunze alias Sophia Altklug, die mit ihrem Stück "Die Spieldose - Wenn die Clownin Trauer trägt" viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen stark berührte. Das Stück wurde u. a. als fantastisch, wirklichkeitsnah, einfühlsam und zum Nachdenken anregend beschrieben. Eine Teilnehmerin begeisterte sich: "Ich habe so etwas Bewegendes noch nie gesehen; schon gar nicht von einer einzigen Person! Danke!". Manche erlebten das Stück als etwas zu lang in dem Rahmen der Veranstaltung oder die Kirche als zu groß. Die von 113 Teilnehmenden vergebene Schulnote "sehr gut" zeigt insgesamt jedoch eindrucksvoll, dass wir mit der Einladung von Frau Kunze ein für viele unserer Gäste bereicherndes Angebot gefunden haben.

Unsere acht Workshops, von denen wir den Workshop "Ethik und Würde in der Palliativmedizin" auf Grund vieler Anfragen im Vorfeld zweimal anbaten, haben insgesamt ebenfalls gefallen. Die von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin oben beschriebenen Workshops E und G bekamen - wie im übrigen alle anderen Workshops auch - von fast allen Teilnehmerinnen die Noten sehr gut bis gut. Die Fragebogenauswertung zum Workshop E  bestätigt die Erfahrung der ehrenamtlichen Mitarbeiterin, dass die Diskussion in dieser Veranstaltung sehr anregend war: Besonders gelobt wurde, dass die Referentinnen auf den Diskussionsbedarf der Teilnehmer/innen eingegangen sind, viele praktische Erfahrungen ausgetauscht und gute Tipps gegeben wurden. Einige Stimmen hätten sich noch mehr Zeit für das Thema gewünscht. Auch im Workshop G von Frau Sigel bedauerten einige Teilnehmer/innen, nicht noch mehr Zeit für das Thema gehabt zu haben. Sie schätzten das gute Miteinander im Workshop, den sehr guten Aufbau und die konstruktive Atmosphäre.

Der Workshop A "Tut Sterben eigentlich weh?..." gefiel den Teilnehmenden, weil die Thematik sehr anschaulich, gut erläutert, interessant, sensibel, ruhig und mit authentischem fachlichen Hintergrund vermittelt wurde. Einige Anwesende empfanden die Veranstaltung als "sehr medizinisch" oder die Inhalte als für sie persönlich wenig neu. Andere hätten mehr über z. B. konkrete Anwendungsmöglichkeiten erfahren wollen.  Workshop B "Schmerz und Demenz" überzeugte durch gute Präsentation, soliden Aufbau, sehr gute theoretische Informationen und besonders dadurch, dass die Referentin sehr gut auf Fragen einging und ihre eigene Freude an der Arbeit deutlich zeigte. Kritisch bemerkt wurde auch hier wieder die zeitliche Enge für z. B. Diskussionen und Erfahrungsaustausch. Manche hatten Verständnisschwierigkeiten auf Grund der verwendeten Fachbegriffe. Insgesamt überwogen jedoch die positiven Einschätzungen.

Workshop C "Ethik und Würde in der Palliativmedizin" wurde von zwei Referenten durchgeführt. Aus beiden Workshops nahmen die Teilnehmer viele Anregungen mit, sie würdigten die jeweils lebendigen Gesprächsrunden und schlugen vor, dass das Thema "Ethik" immer angeboten werden sollte. Im Workshop D "Rituale für die Zeit nach dem Tod"  fühlten sich die Teilnehmer durch die einfühlsame und lebendige  Erzählweise, gute Beispiele und viel Raum für ihre eigenen Meinungen gut aufgehoben. Einzelne wünschten sich mehr Beispiele zum Umgang mit Trauer aus anderen Gründen.

Das Thema "Ein Mensch ist gestorben - Wie weiter? ..." stand im Mittelpunkt von Workshop F. Der dort gezeigte Film kam bei vielen Teilnehmenden trotz Problemen mit der Technik "super" an, andere empfanden ihn als zu lang. Positiv hervorgehoben wurde, dass der Referent gut auf Fragen antwortete und mit Menschenkenntnis überzeugte.  Den Workshop H "Traut mir auch was zu - Geschwister krebskranker Kinder" erlebten die Teilnehmenden insbesondere als sehr einfühlsam, wenige hatten noch mehr fachliche psychologische Informationen erwartet.

87 der Personen, die einen Fragebogen ausgefüllt haben, also knapp die Hälfte, hatten einen sehr guten, 81 einen guten Gesamteindruck der Veranstaltung. Nur 6 Teilnehmenden gefiel der Hospiztag weniger gut, von 7 fehlt die Einschätzung hierzu. Die Kirche und Schule auf Hermannswerder als Veranstaltungsort stieß ebenso auf positive Resonanz, über die Hälfte vergab die Note "eins", die übrigen eine "zwei", je einer Person gefiel der Ort weniger gut oder gar nicht. Besonders gelobt wurde die Organisation vor Ort, die ebenfalls mehrheitlich mit "sehr gut" gewürdigt und in weiteren Statements als sehr positiv hervorgehoben wurde. Bedauert wurde, dass nur wenige Ärzte, Politiker und Krankenkassenvertreter vor Ort waren. Einige wünschten sich mehr Informationsstände und -materialien und auch mehr Themen und weniger Pausen. Andere das Gegenteil.

Wir freuen uns, dass wir insgesamt mit unserem Programm, dem Ort, der gastronomischen Betreuung und einer guten Organisation überzeugen konnten. Die Themenwünsche und -vorschläge für die nächsten Hospiztage werden wir auswerten und bei unseren künftigen Planungen berücksichtigen.