Bereits zum dritten Mal stellten in diesem Jahr die LAGO und der Hospiz- und Palliativberatungsdienst Potsdam (EAHP) ihre konstruktive Zusammenarbeit unter Beweis. Genau dies würdigten denn auch gleich zwei Mitgestaltende dieses Tages: Der Theologe Steffen Reiche, zugleich Mitglied des Landtages, hob in seiner Moderation die gute Zusammenarbeit zwischen den Partnern hervor, desgleichen der Referent Dr. Tentrup aus Trier, Mitglied des Arbeitskreises Ethik der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.
Im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Tentrup standen ethische Aspekte in der palliativen Versorgung. Durch seine Erfahrung als Anästhesist sowie als Leiter einer Palliativstation und Intensivstation gelang ihm eine sehr anschauliche und praxisnahe Darstellung, die sehr großen Anklang fand.
Bei seinen Ausführungen ging er auf vier Punkte ein:
• Die Bedeutung der Ethik und die Entscheidungsfindung in der Medizin. Dr. Tentrup forderte die Teilnehmer auf, sich in kleinen „Murmelrunden" zusammenzufinden, um anhand eines konkreten Fallbeispiels zu einer ethischen Entscheidungsfindung zu kommen.
• Behandlungsziele am Lebensende behandelte er im dritten Punkt seines Vortrages. Dazu zählen Symptomkontrolle, Achtung der Autonomie und echte Kommunikation.
• Die Patientenverfügung als Realisierung von Autonomie hob Dr. Tentrup im vierten Punkt seines Vortrags hervor. Er verwies jedoch darauf, dass diese oft nur eine Hilfe und nicht alleiniges Entscheidungskriterium sei. Fazit dieses Vortrags: Herrn Dr. Tentrup ist es gelungen, seine Zuhörerschaft zu eigenen ethischen Reflexionen über Entscheidungen am Lebensende anzuregen, die durch die Fortschritte der Medizin neue Dimensionen erlangt haben.
Dr. Tentrup hat seinen Vortrag zur Verfügung gestellt. Sie können
ihn
hier abrufen.
Rund 170 Gäste aus Potsdam, Berlin und Brandenburg interessierten sich für die persönliche und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Fragestellungen Sterben, Tod und Trauer, die auch dieser dritte Hospiztag wieder thematisierte. An diesem Tag ging es dabei besonders um die Wünsche und Bedürfnisse schwerkranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen.
Grußworte an die Besucher richteten Hartmut Reiners für die LAGO und Frank Hohn für den Hospiz- und Palliativberatungsdienst. Frau Müller als Beigeordnete für Gesundheit und Soziales forderte in ihrem Grußwort: „Angehörigen muss die Begleitung von Sterbenden in ihrem Alltag ermöglicht werden" Auch aus persönlichem Erleben heraus betonte sie, welche Kraft man für das eigene Leben aus den Begegnungen und Begleitungen mit und von Sterbenden schöpfen könne.
Besonderen Anklang fand die Arbeit in den Workshops, die dem Hauptreferat folgten. Sie wurden zu folgenden Themen angeboten: Intensivmedizin, Trauerarbeit, die Kunst des Lebens und des Sterbens, Sterbebegleitung, ein Marionettenspiel zum Thema Loslassen, schwierige Entscheidungen am Lebensende, wenn Kinder sterben sowie Kunsttherapie.
Die Referentin eines Workshops gab mit ihrem Empfinden sicher die Stimmung auch der anderen Workshops wieder: „Besonders glücklich waren meine Kollegin und ich über die Atmosphäre und den Verlauf des Gesprächs in unserer Gruppe. Da war sehr viel Offenheit und Interesse."
Der dritte Potsdamer Hospiztag hat damit einen weiteren, entscheidenden Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer geleistet und damit auch verdeutlicht, dass diese keine Tabu-Themen mehr sein dürfen, sondern dass der Tod und das Sterben den letzten Teil des Lebens darstellen.
Einen besonderen Abschluss fand der dritte Potsdamer Hospiztag durch das meditative Benefiz - Konzert der Gebrüder Martha. Mit ungewöhnlichen Klängen und Instrumenten erfüllten sie die Inselkirche auf Hermannswerder, und sorgten damit für einen würdigen Ausklang.