„Viele Menschen verdrängen das Thema Tod und Sterben. Der Hospizbewegung ist es zu verdanken, dass der Zusammenhang zwischen Leben und Tod und das Thema menschenwürdiges Sterben mehr Platz im Bewusstsein der Öffentlichkeit gefunden hat.", hob der Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen, Günter Baaske in seinem Grußwort hervor. Er würdigte ausdrücklich das Engagement der mehr als 400 ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter und -mitarbeiterinnen im Land Brandenburg.
Mehr als 20 Hospizinitiativen gibt es im Land Brandenburg, 15 ambulante Hospizdienste werden von den Krankenkassen gefördert. Sechs stationäre Hospize und drei Palliativstationen ergänzen das Angebot im stationären Bereich.
die Auseinandersetzung mit diesem Thema hatten sich die Referenten beim zweiten Potsdamer Hospiztag zur Aufgabe gemacht. Veranstalter waren wieder die LAGO und der Hospiz- und Palliativberatungsdienst Potsdam (damals noch EAHP). Die Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Brandenburg e.V. (LAG Hospiz) fungierte in diesem Jahr als Mitveranstalter, so dass der zweite Potsdamer Hospiztag und der landesweite 3. Brandenburgische Hospiztag in eine gemeinsame Veranstaltung mündeten.
Mit mehr als 500 Gästen wurden unsere Erwartungen weit übertroffen. Vor allem ehrenamtliche Hospizmitarbeiter und -mitarbeiterinnen, aber auch Pflegekräfte und Ärzte aus dem Land Brandenburg waren gekommen, um Erfahrungen und Informationen auszutauschen.
Die Friedenskirche als Veranstaltungsort bot mit ihren Arkaden und Innenhöfen allen Tagungsgästen genügend Platz. Prachtvolle Herbststräuße schmückten die Kirche. Die Moderation des Vormittags hatte Sven Ulbrich vom RBB übernommen. Er fand sehr passende Worte und erreichte damit, dass sich alle angesprochen und willkommen fühlten.
Weitere Grußworte sprachen nach Minister Günter Baaske, Elona Müller als Vertreterin der Stadt Potsdam, Hartmut Reiners für die LAGO, Frank Hohn für die Träger des Hospizdienstes (Gemeinnützige Diakoniegesellschaft Hermannswerder mbH und Malteser Hilfsdienst Berlin e.V.) und Herr Schirmer für die LAG Hospiz Brandenburg.
Heike Borchardt, Koordinatorin des Potsdamer Hospizdienstes, berichtete unter dem Thema: „Solange wir leben" über die Erfahrungen mit einer bewussten Abschiedskultur im ambulanten Bereich. Viele konkrete Beispiele von Begleitungen der letzten Jahre machten für die Zuhörenden erlebbar, was es heißt, Abschiede zu Hause ganz individuell zu gestalten. Die Referentin beendete ihren Vortrag mit einem Kerzenritual.
Besonders stolz waren wir, dass es uns gelang, internationale
Referenten nach Potsdam einzuladen: wir konnten das Ehepaar Husebo
aus Norwegen (beide international anerkannte Palliativmediziner)
als Hauptreferenten für unseren Hospiztag zu gewinnen. Herr Prof.
Stein Husebo sprach zu dem Thema:
"Abschiedskultur in Europa 2050 -
Aktive Sterbehilfe oder Palliative Care" und Frau Dr. Bettina
Sandgathe-Husebo über
"Leben mit dem Sterben -
Erfahrungen aus der stationären Altenhilfe." Das Ehepaar Husebo
hat für Sie ihre Vorträge als download zur Verfügung gestellt. Sie
können Sie hier unter den Vortragstiteln downloaden.
Beide Vorträge stimmten durch die Aussagekraft der Zahlen, sowie durch hochaktuelle Problemstellungen sehr nachdenklich.
• Entwicklung der Alterspyramide - kann sich eine Gesellschaft auf die große Zahl an älteren Menschen und den damit verbundenen Anforderungen an Medizin und Pflege vorbereiten?
• Wie viele Menschen wären betroffen, wenn aktive Sterbehilfe wie z.B. in den Niederlanden in Europa legalisiert würde?
Durch die konkreten Beispiele aus ihrer Praxis und ihrem privaten Erleben wirkten beide Vorträge sehr lebendig und berührend. Mit ihrem Humor und ihrer Leidenschaft, sich für die Wünsche und Bedürfnisse schwerkranker, alter und sterbender Menschen einzusetzen, vermittelte das Ehepaar Husebo Hoffnung, zeigte Alternativen auf und gaben viele positive Denkanstöße. Als Dank erhielten sie großen Applaus und stehende Ovationen.
Nach der Mittagspause fanden im benachbarten Einsteingymnasium elf Workshops statt. Schmerztherapie, Palliativmedizin, Abschiedskultur im Pflegeheim, Abschiedsrituale für zu Hause, Trauer, Meditativer Tanz und Angehörigenarbeit waren Themen, um die es unter anderem am Nachmittag ging. Jeder Workshop (bis auf WS 8) wurde zweimal hintereinander angeboten, so dass jeder Besucher und jede Besucherin an zwei Workshops teilnehmen konnte.
Es war für alle ein großes Erlebnis, an diesem Tag so viele interessierte und engagierte Menschen zu treffen. Zu spüren, wie wichtig diese Arbeit ist, und wie viele Menschen sich für Schwerkranke und Sterbende und ihre Angehörigen einsetzen, ob professionell in Medizin und Pflege oder ehrenamtlich. Es ist uns gelungen, mit dem Hospiztag ein weiteres Zeichen zu setzen, dass sterbende Menschen im Land Brandenburg nicht allein gelassen werden, und dass wir auf dem Weg sind, ein Netz von Palliativpflege und Hospizarbeit zu knüpfen, um das Sterben wieder als Teil des Lebens zu begreifen – eine neue Abschiedskultur zu leben!
Wir danken allen Sponsoren, die die Durchführung dieses Hospiztages möglich gemacht haben. Weiterer Dank geht an die König & May GbR , die für eine reibungslose Organisation des Hospiztages sorgte. Ein besonderer Dank gilt auch den vielen ehrenamtlichen Helfern des Potsdamer Hospizdienstes, die vor Ort für die Gäste da waren.